Dinosaurier der DiasporaEine Spurensuche

Lesung und Gespräch mit
Maryam Aras | Nacim Ghanbari | Elahe Haschemi Yekani

In den Jahren 1978/79 schaute die Welt auf Iran – auf die Revolution, die den Schah stürzte, und auf die neue Islamische Republik, die schon früh viele Mitglieder der Opposition inhaftierte, folterte und tötete, darunter viele Rückkehrer, die die Revolution zunächst aus dem Ausland unterstützt hatten. Überlebende verließen das Land (erneut) und zerstreuten sich in eine weit verzweigte und politisch diverse Diaspora.

Aktuell bestimmt der Krieg die Nachrichten aus Iran. Aus dem Fokus geraten sind die Proteste, die im Dezember 2025 und Januar 2026 brutal niedergeschlagen wurden. Für kurze Zeit schien das Ende der Gewaltherrschaft nah, doch die Hoffnungen in Inland und Diaspora wurden enttäuscht. Die Solidarität in der Diaspora mit den Aufständen in Iran hat eine lange Geschichte und lenkt den Blick auf die iranischen Oppositionellen, die ihre politischen Vorväter einst als Dinosaurier bezeichnet hatten und in den Augen ihrer Kinder selbst zu Dinosauriern geworden.

In ihrem Essay Dinosaurierkind richtet Maryam Aras das Wort an diese Generation und macht sie selbst hörbar, begibt sich anhand der politischen Biographie ihres Vaters auf Spurensuche und reflektiert dabei ihre Kindheit in der iranischen Diaspora in Köln. Im Gespräch mit Nacim Ghanbari und Elahe Haschemi Yekani denkt sie an diesem Abend darüber nach, was eine politische Bewegung in der Diaspora sein kann und welchen Anteil mediale Wahrnehmungen von Iran („Persien“) an der Geschichte hatten und haben. Worin besteht das intellektuelle Erbe der exilierten „Dinosaurier“? Wo sehen sich ihre Kinder, und wie umgehen mit den historischen Spuren einer diversen Diaspora?

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem vom ERC-geförderten Forschungsprojekt Tales of the Diasporic Ordinary statt.