Militärische Bildproduktion | Ästhetische Aneignung | Reparative Zirkulation

Freitag, 2. Mai 2025, 19.30 Uhr, diffrakt | zentrum für theoretische peripherie

Gespräch mit
Nina Franz | Cecilia Valenti

Die Kriege der Gegenwart sind gekennzeichnet durch eine unüberschaubare Bildproduktion, deren Vorläufer sich bis an koloniale Schauplätze zurückverfolgen lassen. Im Jahr 1904 etwa kommt die fotografische Bildmessung im Auftrag der Preußischen Landesaufnahme im Vernichtungskrieg gegen die Bevölkerung des damaligen Deutsch-Südwestafrikas zum Einsatz; wenige Jahre später, während der italienischen Kolonialinvasion Libyens, wird zum ersten Mal ein motorisiertes Flugzeug zur fotografischen Luftaufklärung eingesetzt; und im britischen Mandatsgebiet der Zwischenkriegszeit sorgte das Regime der “Air Control”, wie Priya Satia gezeigt hat, für die Legitimation der britischen Luftwaffe. Die militärische Dominanz des Sichtbaren bleibt dabei ein phantasmatisches Begehren der europäischen Invasoren, das im Zeitalter von Computer und Drohnentechnologie in den unermesslichen Datenbanken militärischer Geheimarchive wiederkehrt.

Doch was passiert, wenn militärische Archive geöffnet und das darin enthaltene Material entgegen seiner ursprünglichen Funktion in Zirkulation gebracht wird? Welche Politiken der Aneignung ergeben sich aus der Veröffentlichung von Bildern extremer Gewalt, die im Kontext von Krieg und Kolonialismus entstanden sind, etwa im Kontext militanter Filmkulturen? Und unter welchen Bedingungen kann die filmische Intervention der repressiven Bildpolitik eines kolonialen und militärischen Archivs entgegentreten?

Die Kultur- und Medienwissenschaftlerin Nina Franz spricht mit der Filmwissenschaftlerin Cecilia Valenti über militärische Bildtechniken, hegemoniale Formen der Sichtbarkeit und deren Möglichkeit der Subversion durch filmästhetische Verfahren der Wiederaneignung und neu Verteilung über militante Netzwerke.